Inhaltsbereich
Chronik der Stadtbibliothek Nordhorn
1873
Gründung der ersten Volksbücherei in Nordhorn durch Pastor Langen und Lehrer Ribbink auf Veranlassung der Provinz Hannover "...seitab vom Weltverkehr und von leistungsfähigen Kulturzentren, inmitten einförmiger Heideebenen", wie Stadtchronist Heinrich Specht schreibt. Es ist die Geburtsstunde der heutigen Stadtbibliothek.
1927
In den ersten Jahrzehnten ist die Bücherei in verschiedenen Schulen untergebracht. Die Jahre des Ersten Weltkriegs setzen ihr stark zu. Zahlen aus den 20er Jahren verdeutlichen dies:
Zahl der Leser: 127. Zahl der Entleihungen: 1.037 (vgl. hierzu das Jahr 2014).
1930
Die Bücherei zieht in das damalige Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr an der Neuenhauser Straße, nahe der Lingener Torbrücke ein. Für Renovierung und den Ankauf neuer Bücher stehen 10.000,-- Reichsmark zur Verfügung.
1933-1945
Als sogenannte Grenzlandbücherei erhält die Einrichtung den Auftrag, an der Pflege des Deutschtums im deutsch-niederländischen Raum mitzuwirken. Die Einflußnahme der NSDAP auf den Buchbestand ist perfekt. Es werden Bücher von Kurt Tucholsky, Bertold Brecht, Anna Seghers, Thomas Mann uva. unter dem damaligen Leiter Rektor Heinrich Specht aussortiert.
1951
Die Sprengung der Lingener Torbrücke am Ende des Zweiten Weltkriegs hat große Schäden am Büchereigebäude hinterlassen. Angehörige der britischen Besatzungsmacht haben die Bestände gesäubert. 1951 zieht die Bücherei im neuen Rathaus an der Bahnhofstraße ein. Die Buchhändlerin Inge Ortmann leitet die Bücherei mit großem Engagement.
1955
Es erfolgt eine Anbindung an den Deutschen Fernleihverkehr. Ab sofort können Fachbücher aus ganz Deutschland zur Ausleihe nach Nordhorn bestellt werden.
1959
Die erste Zweigstelle im Stadtteil Blanke wird eingerichtet. Untergebracht in der Blankeschule, besteht sie bis heute fort und wendet sich vor allem an ein junges Publikum.
1964
Der Buchmarkt in Deutschland nimmt Schwung auf. Das Bedürfnis nach Literatur wird in den Wirtschaftswunderjahren und danach immer größer. Der inzwischen auf 18.000 Bände angewachsene Bestand kommt räumlich an seine Grenzen. Es erfolgt ein Anbau hinter dem heutigen Rathaus. Kostenpunkt 259.000,-- DM. In den 70er Jahren wird eine erneute Erweiterung notwendig.
1970
Die Leitung der Bücherei übernimmt erstmals ein Bibliothekar. Kurt Krause entwickelt die Einrichtung in den Folgejahren zu einem Medienzentrum.
1972/73
Im Schulzentrum Deegfeld erfolgt die Einrichtung einer zweiten Zweigstelle. Sie verbleibt bis 2003 bei der Bücherei. Heute ist sie die Mediathek des Schulzentrums Deegfeld.
Die Stadtbücherei schließt mit dem Landkreis einen Büchereivertrag. Durch den Zusammenschluß wird sie zur Stadt- und Kreisbücherei und trägt fortan den Namen Euregio-Bücherei. 2009 zieht sich der Landkreis aus der Finanzierung zurück.
Es erfolgt der Einstieg in die Ausleihe von sogenannten Audiovisuellen Medien: Schallplatten, Toncassetten sowie in späteren Jahren Videos, DVDs, Blu Rays etc. gelangen in die Ausleihe.
Die 80er Jahre
Unter einem verjüngten Team erfolgt die Einführung umfangreicher Leseförderungsangebote. Kooperationen mit Schulen, Kitas und anderen Bildungseinrichtungen werden aufgebaut.
Im sog. "Literaturforum" kooperieren Bibliothek, VHS und örtlicher Buchhandel, um gemeinsam Autoenlesungen mit Günter Grass, Hera Lind uva. zu organisieren.
1988
Ellen van der Loos übernimmt die Leitung der Eurgio-Bücherei.
1991
In diesem Jahr beginnt eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Bibliothek in Denekamp/Dinkelland.
1992
Die Stadt fördert Frauen im Job-Sharing-Verfahren und überträgt die Leitung ab 1992 gemeinsam den Bibliothekarinnen Ellen van der Loos und Martina Kramer.
1993 bis 1996
Carl Münzel hat die Leitung der Euregio-Bücherei inne.
1995
Gemeinsam mit der Openbare Bibliotheek Denekamp richtet die Euregio-Bücherei die Feierlichkeiten zum 50jährigen Kriegsende aus. Es findet eine erste gemeinsame Ratssitzung der beiden Gemeinden statt.
1996
Gemeinsam mit Denekamp wird der erste öffentliche Internet-Zugang in einer niedersächsischen Bibliothek eingereichtet. Nur Hannover geht im selben Jahr online. Die Bürgermeister von Denekamp, Frans Willeme und Nordhorn, Friedel Witte, senden sich in den Bibliotheken gegenseitig eine E-Mail zu. Seit diesem Jahr besitzt die Bücherei eine eigene Homepage.
Es erfolgt die Umstellung vom Papierkatalog und der manuellen Ausleihe auf das EDV-gestützte Katalog- und Ausleihsystem „Allegro“.
1998
Es finden Feierlichkeiten zum Jubiläum „125 Jahre Bücherei Nordhorn“ statt.
Die Zweigstelle Deegfeld erhält mit Landesmitteln einen Internet-Anschluss.
1999-2001
Erneut sind die Räumlichkeiten zu klein geworden. Es erfolgt ein weiterer Umbau sowie eine Erweiterung der Euregio-Bücherei zum modernen Medien- und Informationszentrum von vorher 900 auf heute 1.600 qm. Während der Umbauphase findet der Betrieb auf 300 qm (!) im sog. „Tollhaus“, einer ehem. Kneipe gegenüber der Sparkasse an der Bahnhofstraße statt.
2001
Am 19. Februar 2001 wird die Bücherei feierlich eröffnet. Der Platz zwischen Bücherei und neuem Rathaus, dem Stadthaus II, erhält den Namen Büchereiplatz.
Die Euregio-Bücherei wird als „Niedersächsische Bibliothek des Jahres 2001“ ausgezeichnet.
Durch Bundesmittel werden 5 öffentliche Internet-Plätze eingerichtet.
Es erfolgt der Ausbau des Veranstaltungsprogramms u.a. mit Hellmuth Karasek, Ina Müller, Andrea Sawatzki, Axel Hacke, Jan Weiler uva.
2003
Die Zweigstelle Deegfeld wird geschlossen. Heute ist im Schulzentrum Deegfeld eine eigene Mediathek zu finden.
Erstmals und danach jährlich (bis zur Einstellung) nimmt die Büchrei am bundesweiten Bibliothksranking „BIX – Der Bibliotheksindex“ teil. Dabei erzielt sie regelmäßig eine gute Platzierung und landet bundesweit unter den Top Ten und in Niedersachsen jährlich auf Platz 1 in der Kategorie 50-100 Tsd. Einwohner.
2005 ff
Die Leseförderprogramme werden weiter ausgebaut. Etabliert werden:
Lesestart: Ein Programm für Kleinkinder im Rahmen der U6-Untersuchungen.
Lese-Regatta: Der Städtische Wettbewerb für die 3. Grundschulklassen.
Vorlesepatinnen und Lesefüchse lesen regelmäßig und an verschiedenen Orten vor.
JULIUS-CLUB, der Sommerleseclub für 11-14jähirge findet jedes Jahr statt.
Der Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Dt. Buchhandels wird regelmäßig in der Bibliothek durchgeführt.
Es folgen Kooperationsvereinbarungen mit den Nordhorner Gymnasien.
2006
Der Katalog der Bücherei geht online. Eine Recherche sowie ein Zugriff auf das eigene Konto sind nun von überall auf der Welt möglich.
2008
Die Bücherei erstellt ein eigenes Profil und nimmt besonders die Familien in den Blickpunkt ihrer Arbeit. Spezielle Abteilungen wie "Eltern werden - Eltern sein" sowie "Haus und Garten" werden eingerichtet.
2009
Der Landkreis zieht sich aus der Finanzierung zurück. Die Euregio-Bücherei wird umbenannt in Stadtbibliothek Nordhorn. Gleichzeitig öffnet sie ab diesem Jahr auch samstags ihre Türen.
Es erfolgt die Einführung eines Corporate Design, basierend auf dem städtischen Logo.
Die Stadtbibliothek Nordhorn ist Gründungsmitglied des eBook-Verbundes Onleihe Niedersachsen (ehem. NBib24). Ab sofort stehen rund um die Uhr eBooks und andere digitale Medien zur Ausleihe bereit.
2010
Die Bibliothek richtet erstmals den „Niedersächsischen Bibliothekstag“ aus.
Das Stadtarchiv wird bis zum Bau des Stadt- und Kreisarchivs räumlich an die Bibliothek angebunden.
2012
In einem landesweiten Qualifizierungsprogramm zertifiziert sich die Stadtbibliothek erstmals als „Bibliothek mit Qualität und Siegel“. Es erfolgt alle 3 Jahre eine Re-Zertifizierung.
2013
Freies WLAN wird zur Verfügung gestellt.
2014
Die Bibliothek ist als Kultur- und Bildungseinrichtung seit Jahren etabliert. Dies drückt sich beispielhaft in den Zahlen des Jahres 2014 aus. Insgesamt nutzen 7.020. Menschen die Bibliothek aktiv. Die Besucherzahl steigt auf über 120.000 in diesem Jahr. Entliehen wird der knapp 100.000 Bücher und Medien umfassende Bestand 598.016 mal (vgl hierzu das Jahr 1927).
Der Einstieg in die sozialen Medien facebook und später Instagram erfolgt.
2018
Die klassischen Hörcassetten werden von den sogenannten Tonies abgelöst und Gesellschaftsspiele ziehen erfolgreich in die Bibliothek ein.
2020/21
Eine zeitweise Schließung sowie Kurzarbeit und eine kontaktlose Ausleihe werden bedingt durch die Corona-Pandemie notwendig.
2021 ff
Die Leitung teilen sich seit 2021 Martina Kramer und Michael Günther.
Während der Pandemie erfogt der Einstieg in weitere digitale Angebote, die rund um die Uhr und von überall aus genutzt werden können. Begonnen wird mit dem Streamingdienst „Filmfriend“. Ein Jahr später folgt dank der Bundesmittel "Neustart Kultur" das Angebot der Tigerbooks, einer App für interaktive Kinder- und Bilderbücher. Ebenfalls wird die Brockhaus-Enzyklopädie digital angeboten.
Das Obergeschoß, vor allem die Abteilung der Familienbibliothek, wird nach und nach neu gestaltet.
2023
Mit großem Dank an die treuen Leserinnen und Leser sowie an Politik und Verwaltung für die umfassende Unterstützung in den vergangenen Jahren ist 2023 geprägt von den Feierlichkeiten zum Jubiläum „150 Jahre Bibliothek Nordhorn“. Das gesamte Team der Stadtbibliothek freut sich über die Entwicklungen der vergangenen Jahre und wappnet sich gewohnt optimistisch für die Herausforderungen der nächsten Zeit.
2024
Stadtbibliothek Nordhorn wird zum 4. Mal mit dem Zertifikat "Bibliothek mit Qualität und Siegel" ausgezeichnet.
Die Zweigstelle im Stadtteil Blanke wird renoviert.
Nordhorn nimmt am Literaturfestival "WiederWorte" der Emsländischen Landschaft teil.
2025
Einführung einer "Bibliothek der Dinge".
In 2025 und den Folgejahren werden die Romanabteilung und die Abteilung für Kinder- und Jugendliteratur neu gestaltet.
Nordhorn nimmt an der 1. bundesweiten "Nacht der Bibliotheken" teil.
2026
Umstellung auf Onleihe 3.0.
Neugestaltung der Kinder- und Jugendbibliothek zum Thema "Wasserstadt".
Einrichtung der Abteilung "#Booklover".
(Quellen: Kurt Krause: 100 Jahre Stadtbücherei Nordhorn, in Jahrbuch des Heimatvereins 1974. Deutsche Bibliotheksstatistik. Werner Straukamp u.a.: Nordhorn und die 70er, 2004).
(Fotos c) Frieling u.a.).


